Begriff Decubitus
Der Begriff Dekubitus, ein neulateinisches, erst im 19. Jahrhundert geprägtes Wort, stammt vermutlich von decumbere, decubitum (sich niederlegen,
vor allem zum Schlafen, zum Essen oder für den Beischlaf) ab.
Möglich ist auch die Abstammung von decubare (liegen). Gemeint ist damit das "Sichdurchliegen" der Kranken.
Ursprünglich wurden Druckgeschwüre als Gangraena per decubitum bezeichnet, was sich vom griechischen gangraina = "fressendes Geschwür" ableitet und "faulige Wunde durch das Liegen" bedeutete.
Später blieb davon nur die Kurzform Dekubitus übrig.
Das Wort Geschwür wird im deutschen Sprachraum seit dem 16. Jahrhundert verwendet. Es leitet sich von schwären (althochdeutsch sweran) = "schmerzen, schwellen, eitern" ab und bedeutete ursprünglich "das, was eitert".
Decubitus - Stadien
Dekubitusgeschwüre werden nach W.O. Seiler in vier Stadien eingeteilt:
- Stadium 1: Nicht wegdrückbare, umschriebene Hautrötung bei intakter Haut. Weitere klinische Zeichen können Ödembildung, Verhärtung und eine lokale Überwärmung sein.
- Stadium 2: Teilverlust der Haut; Epidermis bis hin zu Anteilen des Koriums sind geschädigt. Der Druckschaden ist oberflächlich und kann sich klinisch als Blase, Hautabschürfung oder flaches Geschwür darstellen.
- Stadium 3: Verlust aller Hautschichten einschließlich Schädigung oder Nekrose des subkutanen Gewebes, die bis auf, aber nicht unter, die darunterliegende Faszie reichen kann. Der Dekubitus zeigt sich klinisch als tiefes, offenes Geschwür.
- Stadium 4: erlust aller Hautschichten mit ausgedehnter Zerstörung, Gewebsnekrose oder Schädigung von Muskeln, Knochen oder stützenden Strukturen wie Sehnen oder Gelenkkapseln, mit oder ohne Verlust aller Hautschichten.
Decubitus - Entstehung
Der Begriff Druckgeschwür weist schon auf einen Faktor hin, der maßgeblich an ihrer Entstehung beteiligt ist: die lokale Druckbelastung. Es gilt die kurze Formel: Druck x Zeit. Überschreitet von außen auf Gefäße einwirkender Druck den Kapilardruck der Gefäße, so kommt es zu trophischen Störungen. Die Entstehung eines Dekubitus muss als multifaktorielles Geschehen gesehen werden, wobei zwischen intrinsischen und extrinsischen Risikofaktoren unterschieden wird.
Während die intrinsischen Faktoren "in dem Patienten selbst" (reduzierte Mobilität, Alter, Ernährung, Austrocknung, Gewicht, Zusatzerkrankungen, Infektionen, Inkontinenz, Sensibilitätsstörungen, ...) begründet liegen, werden die extrinsischen Faktoren durch das Umfeld des Patienten bestimmt und lassen sich damit - im günstigen Fall - durch Mobilisierung und die Wahl eines geeigneten Hilfsmittels sowie korrekte Lagerung (z.B. mit Dekubitusmatratze) und konsequente Pflege des Betroffenen positiv beeinflussen.
Als weitere extrinsische Faktoren, die die Entstehung eines Dekubitus begünstigen, gelten:
- Scherkräfte führen zu Verdrillungen der Blutgefäße; trophische Störungen sind die Folge. Gerade bei älteren Menschen, bei denen eine Abnahme des Wassergehaltes der Haut zu einem Elastizitätsverlust führt, kann es durch Scherkräfte auch zu einer Trennung ganzer Hautschichten voneinander kommen;
- Reibung führt zu Verletzungen an der Hautoberfläche;
- Temperaturen in unphysiologischen Bereichen und starke Feuchtigkeit führen zu einem Erweichen der oberen Hautschicht, welche dadurch anfälliger für Verletzungen wird.

